Endlich:

Praktikumsplätze in Sicht

Treffen von jungen Flüchtlingen und betrieblichen Ausbildungsleitern stimmt optimistisch
Auf Initiative der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern trafen sich 45 junge Flüchtlinge mit 16 Ausbildungsleitern renommierter Unternehmen, um Praktikumsplätze zu finden. Die 45 Hauptschüler machen derzeit in der hessischen Fördereinrichtung für junge Zugewanderte in Hasselroth ihren Abschluss.
Anfangs zögerten die Schüler im Alter zwischen 16 und 24 Jahren, den großen Raum im Flüchtlingszentrum zu betreten, in dem die Ausbildungsspezialisten warteten. Aber dann lief das erste Kennenlernen richtig gut. Mal wurde es etwas lauter, manchmal war es völlig ruhig. Manche Schüler wechselten ihren Platz, um mit anderen Ausbildungsleitern zu sprechen. Viele Schüler stellten konkrete Fragen, einige hörten einfach nur aufmerksam zu. Und manch ein Ausbildungsleiter hätte den einen oder anderen seiner Gesprächspartner am liebsten sofort eingestellt.
„Es war schön, Arbeitgeber und zukünftige Fachkräfte an einen Tisch zu bringen und die konkreten Chancen auszuloten. Gleichzeitig konnten die manchmal sehr unterschiedlichen Erwartungen ausgetauscht – und gelegentlich auch korrigiert werden“, freute sich Miriam Fuchs, stellvertretende Leiterin der Beruflichen Bildung bei der IHK. Fuchs hatte gemeinsam mit ihrem Team und der Hanauer Ludwig-Geisler-Schule sowie dem Staatlichen Schulamt das Kennenlernen organisiert. Für die Schule und ihren Leiter Dr. Kurt Herget sowie für Christine Yaşar, Lehrerin an der gewerblich-technischen und berufsbildenden Hanauer Schule und zugleich Koordinatorin für die InteA-Klassen (Integration durch Anschluss und Abschluss) im Main-Kinzig-Kreis, war dieser Tag ein Erfolg. „Erstmals erfahren die jungen Flüchtlinge, dass sie mit dem bei uns erlernten Deutsch ernst genommen werden und eine realistische Chance haben, wenn sie was können.“ Herget ist sich sicher, dass die Schüler auch anderen Flüchtlingen von diesem Erfolgserlebnis berichten – und sich dadurch für alle eine zusätzliche Motivation ergibt, schnell und gut Deutsch zu lernen.
Praktika können in den Osterferien starten
Zuvor hatte Lehrerin Christine Yaşar den Ausbildern die interkulturellen Besonderheiten beleuchtet und die Hilfestellungen durch die Agentur für Arbeit und das Kommunale Center für Arbeit kurz vorgestellt und berichtet, dass es ihnen mittlerweile erlaubt ist, die Schüler als Praktikanten während der Ferien sowie eine Woche davor und danach zu beschäftigten. „Damit sind die Flüchtlinge als Schülerpraktikanten versichert, und Sie werden feststellen: Da sind tolle Leute dabei.“
Die Schüler, in Hasselroth werden vor allem 16- bis 17-Jährige unterrichtet, lernen in erster Linie über das staatliche Programm InteA Deutsch sowie Mathematik, Wirtschaftskunde, Ethik und Sport. InteA soll innerhalb von höchstens zwei Jahren die jungen Menschen zum Hauptschulabschluss führen und ihnen eine berufliche Karriere über das duale Ausbildungssystem eröffnen. Gegenwärtig lernen auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne etwa 200 junge Menschen aus Afghanistan, Syrien, Eritrea, Somalia und anderen Staaten für das Leben – und für ihren deutschen Hauptschulabschluss.
Die Einrichtung in Hasselroth entstand vor 25 Jahren, um jungen Spätaussiedlern den Zugang zum deutschen Bildungssystem und Arbeitsmarkt zu erleichtern. Die schulische Versorgung erfolgt über die Ludwig-Geisler-Schule. Insgesamt lernen im Main-Kinzig-Kreis derzeit fast 500 junge Flüchtlinge durch das InteA-Programm Deutsch. Rund 160 von ihnen werden in den kommenden Monaten fit für ein Praktikum sein, und die ersten 45 können schon bald mit ihrer Berufsausbildung beginnen – sobald sie ihren Hauptschulabschluss in der Tasche haben.
Fortsetzung folgt
Die nächste Bewerbungs-Aktion organisiert die IHK am 15. März. Dann besuchen 25 erwachsene Flüchtlinge Unternehmen in der Region.